Toussaint

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Toussaint

Beitrag von Der Erzähler am So 24 Dez 2017, 20:44



Toussaint ist die Nordwestlicheste der Krytanischen Grafschaften und ist seid fast 170 Jahren Teil des Königreichs Kryta. Das zwischen dem Janthirischen Meer und den Oberen Zittergipflen angelegte Gebiet ist reich an Bodenschätzen wie Eisen, Kupfer und Gold. Ein großer Teil des Wohlstands Toussaint's und seiner Bürger enstpringt also den zahlreichen Minen innerhalb der Grafschaft welche seid einigen Jahren von der Familie 'De Meuhlnier' geführt wird.
Allgemeine Bekanntheit erlangte Toussaint jedoch erst als es mit dem Anbau von Wein begann. Die Mineralhaltige Erde, dass warme Klima und der Ergeiz vieler Winzer führte zu den erlesensten Tropfen die es in Tyria zu kosten gibt.
Für viele steht die Grafschafft Toussaint und inbesondere seine Hauptstadt Beauclair als Sinnbild für den Himmel auf Erden.
Dennoch gibt es eine große Kluft zwischen den Kasten der Grafschaft. Wärend die Elite des Landes ihrem Reichtum zu vermehren vermag bleibt der Ländlichen Bevölkerung immer weniger zum Leben.
Um die Öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten werden jeden Monat große Festspiele und Ritterspiele abgehalten um die Bevölkerung bei Laune zu halten.

Die Graftschaft verfügt über kein eigenes Militär sondern beherbert einige der größten und Einflussreichsten Ritterorden des Königreiches. Ehre und Tapferkeit werden in Toussaint großgeschrieben und von den Paladinen der Grafschaft vorgelebt.
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"Fast Vergessen"

Beitrag von Araja am So 24 Dez 2017, 23:50

Der Rotschopf öffnete schlagartig die Augen. Denn es war soweit, der Tag den sie sich seid bereits so langer Zeit herbeisehnte war endlich gekommen. Sie sprang aus dem Bett, eilte zum Fenster und drückte dabei fast ihre Stupsnase an das sich nun durch ihren Atem beschlagende Glas.
Es war weiß. Alles war Weiß. Schneeweiß. Über die Nacht musste es die ganze Zeit geschneit haben denn die Hügel hinter dem Dorf waren es: Schneeweiß.
Araja's Augen weiteten sich voller Erstaunen über das Glitzern und Funkeln der verschneiten Sträucher, Bäume und Häuser.
Von ihrem kleinem Dachfenster aus hatte sie einen wundervollen Ausblick, direkt aus dem Dorf hinaus, auf die Zittergipfel welche unter der Schönheit der Eiskristalle noch wunderbarer erstrahlten.
Wintertag mit Schnee: Das hatte sie sich gewünscht. Und die Götter hatten der Kleinen wohl gehör geschenkt denn ihr Wunsch wurde erfüllt.
Als Araja fertig war mit Staunen und Gaffen breitete sich ein lächeln auf ihrem Gesicht aus und sie hastete zu ihrer Kleidertruhe. Eine übergestülpte Winterjacke und eine dicke Schneehose in der Hand später hüpfte das junge Mädchen richtung Tür. Um Zeit zu sparen versuchte sie die Hose im Gehen oder besser gesagt im Hüpfen anzuziehen. Wärend sie sich gegen die klapprige alte Holztür des kleinen Dachgeschosszimmers drücken konnte um diese aufzumachen hatte sie im Gang danach weniger Glück. Gehetz durch ihre Freude plumpste sie direkt auf die Nase und versuchate dabei einen Lärm der im gesamten Haus zu hören war.
Araja war Wach, das wusste nun auch ihr Stiefvater der bereits seid einiger Zeit in der Backstube des Hauses zugegen war.
Mit einer Mischung aus Schmunzeln und Sorge rief er nach Oben:
"Alles in Ordnung?", denn es war wierklich nicht das erste mal das der kleine Wirbelsturm hingefallen wäre.

Unbeeindruckt von ihrem Sturz raffte sich das kleine Mädchen wieder auf und polterte die Enge Treppe nach unten. Die Treppe ächzte unter dem Ansturm der jungen Lady und tat dies mit lautem geknarsche kund.
"Nicht so schnell Araja....", stöhnte nun auch Manuel der seinen kleinen Schützling darauf offensichtlich nicht zum ersten mal hinwies.

"Es SCHNEIT!", war die äußerst kurze wenn auch Euphorische Antwort der Kleinen die sofort zur Tür nach drausen eilte.

"Geh nicht zu weit ich brauche später noch deine Hilfe in der Backstube!...Araja?", rief ihr Stiefvater Manuel noch hinterher doch es war vermutlich schon zu spät.
Das kleine sechsjährige Mädchen hatte gerade andere Dinge im Kopf als beim Backen zu helfen.


Araja drückte sich mit voller Kraft gegen die Tür der kleinen Bäckerei um diese aufzuschieben. Der frisch gefallene Schnee und der dadurch enstandene Haufen direkt vor selbiger Tür hielten den Rotschopf aber nicht lange auf.
Sie stürmte auf die Straße des Weilers und rannte Richtung der nahen Hügel, direkt durch alle Schneehaufen am Rand.

Die kleine Ansammlungs an Hütten konnte man nur schwehrlich als Dorf bezeichnen doch für Araja war es die gesamte Welt. Die abgelegene 30 Seelen Gemeinde war inmitten eines kleinen Talkesseln zwischen mehreren sanften Hügeln gelegen welche im Sommer als Getreidefelder dienten. Doch nun im Winter verwandelten sich diese Hügel in ein Schneeparadies für kleine euphorische Mädchen.
Angekommen an ihrem Ziel stand Araja auf dem Gipfel des Hügels und sah nun erneut voller Erstaunen und Ehrfurcht zurück auf den Weiler. Ihr Zuhause so zu sehen, eingepackt in das ganze Weiß, war für die junge Dame das aller größte. Sie lebte Schnee. Jedes Jahr aufs neue freute sie sich wenn der Schneetraum einhalt in die Grafschaft fand und das gesamte Land mit seinem Zauber belegte.
Die nächsten Stunden verbrachte Araja damit Schnee von Büschen zu schubsen, über den kleinen zugefrohrenen Bach zu schlittern und Eiszapfen zu lutschen. Igitt, die sind Ekelig. Bis ihr langsam Kalt wurde...

Die Realität hohlte das junge Mädchen wieder ein und sie musste feststellen das ihre Winterjacke noch immer ein Loch hatte. Das alte schäbige Leder machte es wohl nicht mehr lange und die Kleidung sollte dringend ersetzt werden. Aber dafür fehlte ihrer Familie das Geld weshalb es vermutlich wieder eine notdürftige Flickung des Loches geben würde, anstatt einer neuen Jacke.
Araja war selbst nicht bewusst das sie Arm war oder das ihr Stiefvater es war. Sie kannte es nicht anders und das war vielleicht auch besser so.
Bevor sie jedoch der Frost hohlen konnte stampfte der nun ein wenig ermattete Wirbelsturm zurück nach Hause. Erst über den kleinen Bach, wieder vorbei an den Büschen und schließlich wieder auf den Trampfelpfad richtung Zuhause.

Angekommen in der kleinen Bäckerei ihres Stiefvaters putze sich Araja den Schnee säuberlich von der Kleidung und hängte ihre Sachen zum Trocknen. Zumindest ein wenig von Manuels Erziehung war offensichtlich bei ihr hängen geblieben.

"Und? Wie wars?", fragte dieser sogleich als Araja die Backsube betrat.

"Toll!", war ihre Antwort als sich an ihren Stiefvater herankuschelte um sich ein wenig aufzuwärmen.

"Hör mal, du bist ja ganz Kalt! Hmmm.....ich weiß da etwas das dich aufwärmen könnte..."

Manuel griff nach einem kleinem Beutel der in der Ecke des Tisches stand und wedelte dann damit auf Araja's Augenhöhe herum. Das junge Mädchen wusste sofort was darin war: Puderzucker. Den gab es nur einmal im Jahr und zwar zum Wintertag wenn die Gemeinde zum Winteretagsfest geladen hatte. Manuels kleine Bäckerei hatte dann die Aufgabe die Stollen für die Feier zu backen und Araja lies sich nicht zwei mal bitten und nahm den Süßen Traum entgegen.
Ganz vorsichtig ging sie damit an ihrem Stiefvater vorbei als würde sie eine heilige Reliquie von Dwayna tragen. Am Backblech mit den Stollen angekommen begann sie dem Backwerk seine besondere Note zu verleihen.
Araja hatte schon häufiger beim Backen geholfen doch Puderzucker über die Stollen zu geben war für sie der absolute Höhepunkt. Und wir wissen auch warum...

Die Stunden gingen ins Land und es wurde langsam Dunkel. Zu früh meinte Manuel der noch gerne einige Brote für die kommenden Tage vorbeitet hätte doch die Jahreszeit lies es leider nicht zu. Araja welche ihm die ganze Zeit tapfer zu Seite gestanden hatte streute sich den winzigen Rest des Puderzuckers über die Nase und schnitt anschliesend Grimassen um den ein wenig griesgrämig gewordenen Manuel aufzuheitern.
Der Bäcker konnte dem humorvollem Charm seiner kleinen Stieftochter nicht wiederstehen und lachte nun mit ihr gemeinsam:
"Du bist mir n' Witzbold! Komm, mach dich fertig. Wir bringen die Stollen jetzt rüber."

Das kleine Dorf war eine eingeschworenne Gemeinde was aufgrund seiner abgeschiedenheit nicht sonderlich verwunderlich war. Deshalb feierte man jedes Jahr den Wintertags gemeinsam in der kleinen Dorfkapelle. Jeder steuerte etwas zu den Festlichkeiten bei und der Beitrag des Dorfbäckers waren die Stollen.
Die Reneé's, also Manuel und Araja kamen zwar als letzte aber gerade noch Rechtzeitig. Denn der Pfarrer der Gemeinde wollte gerade seine Predigt halten.
Vater Braun, wie in die Eingebohrenen nur nannten, war ein Priester Dwaynas und kam jeden zweiten Sonntag aus der nahegelegenen Kleinstadt um den Gottesdienst in ihrem Dorf abzuhalten.
Manuel war ein gläubiger Mensch und seine Tochter, auch wenn es nicht seine eigene war, sollte mit den Lehrern der Götter aufgezogen werden. Die Worte Vater Brauns stoßen bei der kleinen Dame auf offene Ohren, inbesondere die Geschichten über die Göttin Dwanya beeindruckten das Mädchen. Auch dieses mal höhrte sie der Predigt des Pfarrers aufmerksam zu und versuchte zu verstehen was dieser erzählte.
Viele der Worte die Vater Braun benutze waren Araja unbekannt, nicht alle Zusammenhänge oder der tiefere Sinn ergaben sich ihr. Doch Verstand sie das es darum ging zusammen zu halten, an Dwayna und ihr Licht zu glauben und sich nicht von den Mächten des Bösens belügen zu lassen! Äh....oder sowas in der Art. Dachte sie jedenfalls.
Die Predigt fand ihr Ende als die Gemeinde das Wintertagslied sang, Araja's lieblingsstelle. Denn auch wenn sie es noch nicht so richtig konnte: Singen wollte sie unbedingt! Das kleine Mädchen war äußerst Musikalisch und schaffte es ohne vorher zu üben den zum Teil komplexen Text fast fehlerfrei mitzusingen, sehr zum erstaunen ihres Stiefvaters.

Und nun war es soweit, der moment auf den alle Kinder im Dorf gewartet hatten: Die Bescherung!
Die anderen drei Kinder der Gemeindade waren alle einige Jahre älter als Araja weshalb diese kaum Kontakt zu diesen hatte.
Unter den Augen der gesamten Gemeinde überreichte Pfarrer Braun in Namen ihrer Eltern den Kinden ihre Geschenke. Zuerst waren die beiden Zwillinge des Bauern an der Reihe: Eine Ritterburg aus Holz, BOA - Toll! Wie gern hätte Araja einmal damit gespielt.
Danach kam Isabell an die Reihe, die Tochter des Hufschmieds. Sie bekam eine Silberne Haarbrüste, auch die hätte Araja wohl gerne ihr eigen genannt.
Und nun war die Spannung kaum noch auszuhalten welches Geschenk hatte Manuel dem Pfarrer für sie wohl gegeben? Noch eine Holzburg?! Eine goldene Haarbürste?! Oder vieleicht sogar noch mehr Puderzucker?! Araja konnte nicht mehr innehalten:
Sie stand auf und wollte gerade nach vorne gehen um Vater Braun zuvorzukommen ihren Namen auszurufen als dieser endlich das Wort erhob:

"Nun das waren dann wohl alle Geschenke für dieses Jahr! Habt Spaß damit Kinder und denkt daran: Seid schön artig dann werdet ihr nächstes Jahr wieder eines bekommen!"

Noch an ihrem Platz, ganzen hinten in der Kapelle stehend, brach für das kleine Mädchen eine Welt zusammen. Kein Geschenk? Aber sie war doch artig gewesen: Sie hatte dem Pfarrer aufmerksam zugehört, hatte immer in der Backstube geholfen war höflich gewesen, EGAl zu wem!
Das war nicht Fair! Und doch war sie zu schüchtern etwas zu sagen wärend sich alle zu dem Stollen aufmachten und die eigentlichen Festlichkeiten begannen.
Manuel wollte seine Hand auf die Schulter seiner Stieftochter legen und machte dabei ein entschuldigendes Gesicht:

"Es tut mir Leid, vielleicht nächstes...."

Doch Araja wollte es nicht hören. Noch bevor Manuels Hand ihre Schulter erreichte zog sie selbige weg und stürmte aus der Kapelle. Ihre Augen wurden lansgam feucht als sie in die Dunkelheit hineinpreschte und die ersten Tränen drückten sich in das zuvor noch von einem Lächeln verziehrte Gesicht.
"Das ist nicht Fair! Das nicht Fair!", ging es ihr immer wieder durch den Kopf als sie voller Wut und enttäuschung in einen Schneehaufen trat: "Scheiß Wintertag!"
Zuhause angekommen stürmte das junge Mädchen direkt nach oben in ihr Zimmer und Manuel, welcher direkt gefolgt war stand nun am Fuße der ächzenden Treppe: "Araja? ARAJA?!"
Doch der Bäcker vernahm nur noch das knallen ihrer Zimmertür. Erschöpft lies er seinen Kopf nach vorne fallen, irgendwie hatte er gehofft sie würde es verstehen. Verstehen das sie nicht genug Geld hatten für ein geschenk, das die Bäckerei nicht genug Gold abwarf aber erkläre das mal einer Sechsjährigen.

Der junge Rotschopf hatte sich auf sein Bett gesetzt, die Beine zum Körper gezogen mit Blick aus dem Fenster. Dem Fenster aus welchem sie am Morgen noch gesehen hatte und den Schneezauber bewundert hatte. Aber das interessierte sie nicht mehr, sie war enttäuscht.
Unten hatte Manuel aufgegeben ihren Namen nach oben zu rufen und hatte die Hoffnung veroren es ihr doch noch schonen beizubringen. Er wollte sich gerade in sein eigenes Zimmer begeben als es an der Haustür klopfte. Es war der Pfarrer.

"Vater Braun..? Wie....was brauchen sie? Stimmt etwas nicht mit den Stollen?!", erschrack der Bäcker als er das Gesicht am anderen Ende seiner Türe erkannte.

"Nein, Nein! Die Stollen sind hervorragend wie jedes Jahr, Manuel!", beruhigte ihn der Priester: "Ich bin hier wegen eurer Kleinen. Sie hat ihr Geschenk vergessen."

Der Bäcker runzelte die Stirn: "Ich hatte euch doch garkein....?"

"Ich weiß um eure Lage, mein Sohn. Ich habe ihr etwas besorgt. Von meinem Geld."


Manuels Laune schien sich wieder zu bessern auch wenn er noch in Erklärungsnot kam:
"Seitdem Frau tot ist......ist es so schwer alleine hier....ich...UND die Kleine.... Danke."

Vater Braun nickte verständlich: "Darf ich?"

"Natürlich - Natürlich! Ihr Zimmer ist oben!"

Der Priester ging sicheren Schrittes über die Treppe nach oben, durch den schmalen Gang direkt bis an Araja's Zimmer um dort zu klopfen.

"Nein!", fauchte Araja mit ihrer verweinten Stimme.

"Darf ich nicht hereinkommen?",
fragte der Pfarrer mit aller ihm gegebenen Engelsgeduld durch die noch immer geschlossene Tür.


Araja erschrug als sie die Stimme des Priesters erkannte. Vater Braun in ihrem Haus? Das war noch nie passiert! Was wollte er?! Sie richtete sich ganz hastig auf und eilte zur Tür wärend sie sich versuchte die Tränen aus dem Gesicht zu wischen.
Als sie die Tür einen Spalt geöffnet hatte sah sie zum Priester auf und blickte diesen Fragend an bekam jedoch kein Wort heraus.

"Du hast dein Geschenk vergessen, Junge Lady!", in der Hand hielt der Priester eine Puppe. Aber nicht nur irgendeine Puppe. Eine Puppe aus Beauclair, gefertigt aus schönstem und teuerstem Stoff. Die blonden Haare der Puppe wurden nur noch von ihrem wunderbarem Kleid übertroffen welches sie trug.
Ganz vorsichtig und mit aller gegenbenen Demut nahm Araja ihr Geschenk vom Pfarrer entgegen wärend ihr Gesicht wieder den Zauber des Lächelns vernahm. Auch ihre eisblauen Augen strahlten wieder voller zuversicht als sie sich bei Braun bedankte:
"Äh.....ähm....Danke!"
Auch dem Vertreter der Götter war es anzusehen das es ihm freude bereitete dem kleinem Mädchen ein solches Geschenk zu machen.

Lange lies Araja jetzt nicht auf sich warten: Denn ihr neuestes Spielzeug musste präsentiert werden und zwar SOFORT! Sie ging mit dem Pfarrer zurück nach unten wo Manuel bereits auf die beiden wartete.

"Guck mal, Guck mal, Guck mal!", stürmte der Rotschopf auf ihren Stiefvater zu, mit der Puppe in der Hand: "Wieso hab' ich die nicht gleich bekommen?!" Fragte sie hinzu als sie Manuel an die Seite viel und ihn umarmte.

"Ähhh...."

"Dein Papa wollte das es eine ganz besondere Überaschung für dich wird."
, unterstützte Vater Braun den Bäcker.

"Das ist die beste Puppe der WELT! Ich nenne sie....Lagenia!", brach es aus Araja heraus als sie nun mit ihrer neuen Freundin durch die Backstube stürmte und dort begann ihr alles zu zeigen.


Manuel kamen fast die Tränen als er sich beim Priester bedankte und ihm die Hand gab:
"Danke, Vater. Sie wissen garnicht was uns das bedeutet."

"Es gibt Hilfe, Manuel. Sie müssen sie nur annehmen. Ich wünsche euch beiden einen frohen Wintertag."

Mit diesen Worten verabschiedete sich der Priester aus der kleinen Bäckerei und ging zurück zu seinen Schäfchen in der Kapelle.
Und Araja? Die flitze noch immer wie Wild geworden zusammen mit Lagenia durch das Haus bevor sie glücklich zusammen mit der besten Puppe der Welt später in ihrem Bett gemeinsam einschlief.
Vielleicht war das ja doch nicht der schlechteste Wintertag aller Zeiten?

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"Das hässliche Entlein"

Beitrag von Araja am Mo 08 Jan 2018, 22:23

"Papier?"

"Ja!"

"Stifte?"

"Ja...."

"Brotzeit?"

"Ja-ha!"

"Kuss für Papa?"


Araja schmunzelte wärend sie ein wenig mit den Augen rollte, natürlich würde es einen geben.
Ihr Stiefvater ging in die Hocke und lies sich von seinem Schützling auf die Wange schmatzen und lachte:

"Dann haben wir jetzt beide alles was wir für Heute brauchen - bist du bereit?"

Diese Frage war eigentlich überflüssig denn Araja war bereit. Seid Monaten freute sich, die nun mittlerweile 8 jährige auf ihren ersten Schultag. Mit Hilfe Vater Brauns war es Manuel gelungen seine Stieftochter in der Schule anzumelden. Natürlich hatte das kleine Dörfchen indem sie lebten keine eigene Schule, jedoch die nahe Kleinstadt Vohye.
Mit einem entschlossenem und furchtbar aufgeregtem Kopfnicken beantwortetet Araja also die Frage ob sie bereit war ihr erstes Abenteuer zu starten: Denn das kleine Mädchen durfte allein nach Vohye gehen.

"Du bleibst auf der Straße und hörst darauf was Pfarrer Braun zu dir sagt, ja?"

"Klar, Papa..."

"Und denk daran: Sag nie alles was du weißt...."

"...aber weiß stehts was du sagst! Ich weiß Papa!"

"Pass auf dich auf mein Schatz!"


Daraufhin konnte das nun mittlerweile schon etwas genervte Energiebündel nur seufzten. Um ihren Stiefvater abzuwimmeln gab es noch einen zweiten Kuss:

"Versprochen!"

Unter dem zwar etwas sorgenvollem aber dennoch erfreuten Blick ihres Stiefvaters zog Araja nun also von dannen. Den weg nach Vohye kannte das junge Mädchen bereits. Schon einige male war sie mit Manuel dort gewesen um Brot zu verkaufen oder das auf dem Pfad liegende Gasthaus zu versorgen.
Vohye und Araja's Zuhause lagen vermutlich nicht einmal 4 Kilometer auseinander, zumindest wenn man ein Vogel war. Der weg zu Fuß war ein wenig weiter da zwischen den beiden Ortschaften ein ziemlich tiefer Wald lag den das kleine Mädchen umgehen sollte und auch wollte.
Zeitig genug war sie jedoch von Manuel auf den weg geschickt worden weshalb sie bestimmt rechtzeitig an der Schule ankommen würde. Wenn es da nicht noch ein winziges Problem gäbe: Araja's wahnsinnige Neugierde.
Wann immer die beiden Vohye besuchten dauerte die Reise länger als erwartet denn die kleine Entdeckerin lies es sich von allem Ablenken. Wierklich ALLEM:
Einem Vogel auf dem Baum. Ein Baum ohne Vogel. Sträucher die von alleine rascheln. Angebliche Elfen die am Waldrand stehen. Einer Kuh. Beeren die am Wegesrand wachsen oder auch mal nicht.
Und so weiter und so fort.
Wenn man mit dem jungem Rotschopf reisen wollte musste man also vorallem eines mitbringen: Geduld. Heute wollte sich Araja jedoch zusammenreisen, die Schule war ihr wichtiger weshalb sie nun zielstrebig den Pfad richtung Vohye folgte. Zumindest bis sie beim Gasthaus zum besoffenem Oger war. Die kleine Herberge lag an einer Weggabelung ungefähr auf der hälfte ihres Weges und war dem Mädchen bekannt. Also gab es auch nicht was sie ablenken könne, oder?
Normalerweise wäre dies der Fall gewesen doch an diesem morgen war etwas anders, etwas das Araja's Aufmerksamkeit einfach erregen MUSSTE: Ein Pferd.
Aber nicht irgendein Pferd, die kannte sie ja bereits. NEIN – ein in teures Tuch und Rüstung geschlagenes Schlachtross! Soetwas hatte das kleine Mädchen noch nicht gesehen.

Also ging Araja an das Objekt ihres Interesses heran. Unbeindruckt von der größe des Pferdes und seiner Kampfausrüstung wollte sie es aus der nähe sehen – vielleicht auch Streicheln?
Die Schule hatte sie bereits völlig vergessen, wie auch sonst.
Auch dem Pferd blieb die kleine Entdeckerin nicht unbemerkt. Mit seinem großen braunen Augen fixierte das Ross den Rotschopf und blieb ziemlich unbeeindruckt – ganz im gegensatz zu Araja.
Kurz bevor ihre immer näher rückende Hand die rote Rüstung des Pferdes jedoch erreichen konnte, kam sein Besitzer aus dem Gasthaus.

"Nah? Gefällt sie dir?", sprach dieser der für Araja wie aus dem nichts gekommen sein muss.

Vor lauter Schreck machte sie einen Satz nach hinten und starrte den Mann an als hätte sie gerade versucht das Pferd zu klauen. Araja hatte immer sofort ein schlechtes gewissen wegen allem weshalb sie sich entschuldigend windetete:

"Ähh....Ja?"

"Wenn du sie streicheln willst nur zu, sie scheint dich zu mögen!"


Ermutigt von dem Herren traute sich Araja nun doch das Pferd zu berühren. Das Pferd selbst schien dass nicht weiter zu interessieren und mampfte weiter das ihm zur verfügung gestellte Heu. Erst jetzt realisierte mit wem Araja sprach: Mit einem Ritter.
Natürlich, wer sonst sollte ein Schalchtross reiten? Der Ritter war in den selben bunten Farben gekleidet wie sein Pferd und die gleichen Wappen zierten ihre Rüstungen: Das einer Lilie.

"Seid ihr ein Ritter?", fragte Araja mit aller ihr gegebenen Schüchternheit.

"Paladin!"

"Paladin...?"

"Ja! Ein Paladin ist so eine Art Ritter. Sowas wie.....der Chef der Ritter!"

"Also gehören euch alle Ritter?"


Der Paladin musste anfangen zu lachen, wärend er seinem Pferd das restliche Heu zuführte:

"Nein, das sind nicht 'meine' Ritter! Ein jeder Mann ist frei und auch jede Frau, ich führe sie nur! Sir Willhelm von Surotach, zu euren Diensten Milady! Und mit wem habe ich das Vergnügen?"

Der kleine Rotschopf konnte es kaum fassen, denn er wurde gerade von einem echten Ritter ääh... Paladin, Milady genannt!

"Lady Araja von .... Nirgendwo?"

Sir Willhelm lächelte der Lady "von Nirgendwo" entgegen, ihre Antwort war wirklich Süß.
"Die legendäre Lady von Nirgendwo! Meiner Treu, welch eine Ehre Milady!"

Daraufhin kicherte Araja, sie konnte die Ironie des Paladins verstehen und freute sich über ihr kleines Rollenspiel. Sie machte einen kleinen Hofknick oder zumindest etwas das sie dafür hielt und begutachtete dann weiter das ritterlich geschmückte Pferd. Bis ihr ein merkwürdiges hölzernes 'Dingsda' auffiel das aus der Satteltasche ragte. Ihrer Neugier entsprechend konnte sie nicht anders als zu fragen: "Was ist das da?"

"Das, verehrte Lady Araja ist eine Geige."

"...und was ist eine Geige?"

"Das vermutlich schönste Musikinstrument das Tossaint jemals hervorgebracht hat! Wollt ihr es einmal hören?"


Araja begann sofort heftig zu nicken gefolgt von einem "Ja, Bitte!" da das kleine Mädchen nur von einer Sache noch begeisterter war als dem Entdecken: Und zwar Musik.
Sir Surotach lies sich also nicht zwei mal bitten und nahm seine Violine, brachte sich in Position und begann zu Musizieren. Das spiel der Geige und seine wunderbaren Töne verzauberten Araja sofort. Die eleganten bewegungen von Willhelm beim spielen des Instrumentes unterstreichten perfekt das Gefühl das er dabei vermitteln wollte und das fröhliche und aufheiternde Lied veranlasste den Rotschopf sofort mit zu tanzen. Araja hatte sich verliebt! Nein – nicht in den Paladin, sondern in die Geige! jetzt wollte sie auch eine haben und wünschte sich nichts sehnlicheres als selbst einmal den Bogen über die Seiten des Streichinstrumentes zu ziehen.

"Wo lernt man das?! Und wo gibt's die?!", fragte sie also ganz aufgeregt als Willhelm fertig war.

"Nun... es gibt da Meister Lorenzo in Bucleair. Der baut seine Geigen selbst und Unterichtet auch – bei ihm habe ich spielen gelernt."

Untericht – Verdammt. Araja hatte die Schule völlig vergessen! Fast ein wenig Panisch riss sie die Augen auf und lief davon wärend sie Sir Willhelm nur noch hinterherrief: "Ich komm' zur spät zur Schule!"

"Tja.....Kinder. Was meinst du Susi?", fragend klopfte der Paladin auf sein Pferd das einfach nur weiter fras: "Interessierst du dich eigentlich noch für was anderes außer deinem Heu? Tz."



So schnell wie Araja ihre Beine nur tragen konnten rannte sie nun nach Vohye, denn es war noch nicht zu spät. Der trockene Sand des Weges wirbelte Staubwolken in die warme Frühlingsluft wärend der Rotschopf seinem Ziel immer näher kam. Bald hatte sie die Stadt erreicht, völlig aus der Puste eilte sie um die Ecke hinter der Schmiede, direkt vor die Schule.
Sie war gerade noch rechtzeitig gekommen denn die anderen Kinder wurden gerade eben ins Haus gelassen. Glück gehabt.
Ohne weiter aufzufallen ging sie den anderen einfach hinterher als wäre alles ganz normal. Drinnen angekommen fanden sich die Kinder im Klassenzimmer ein. Die Ländliche Kleinstadt hatte ein altes Lagerhaus in eine Schule umfunktoniert als es genug Kinder dafür gab. Auch wenn die Ausstattung der Schule ein wenig spartanisch wirkte hatte sie doch alles was ein echtes Klassenzimmer brauchte: Eine Kreidetafel, Lehrbücher und sogar eine große Tyriakarte.

Die Zweierbänke wurden von den anderen gleich besetzt und da Araja als letzte hereinkam blieb nur noch ein einziger Platz frei: Ganz vorne neben einem Jungen – Na toll. Das hatte sie nun davon sich ständig ablenken zu lassen.
Leise seufzend schlich sie also nach vorne, vorbei an allen anderen die sie dabei beobachteten. Auch Araja nutzte die Chance sich ihre neuen Mitschüler anzusehen denn sie kannte keines der anderen Kinder. Einige weil sie älter waren als sie, andere weil das zurückhaltende und schüchterne Mädchen nicht sonderlich gut darin war neue Bekanntschaften zu machen.
Meistens blieb Araja für sich und es wäre ihr wohl auch dieses mal lieber gewesen alleine zu sitzen aber dieses Privileg schien ihr verwehrt zu bleiben.
Mit einem zwar etwas schüchternem aber freundlichen lächeln setzte sich der Rotschopf also neben den Jungen. Dieser schien ebenfalls nicht gerade eine Naturgewalt in Sachen Kommunkation zu sein und starrte Araja nur an. Zumindest hatte er nicht protestiert, dass war doch ein guter Anfang, oder?
Zum Glück der jungen Schülerin begann nun der Unterricht. Als Lehrkraft fungierte Vater Braun, dem wahrscheinlich gebildetsten Mann der Gemeinde. Für den ersten Schultag der neuen Schüler hatte der Priester sich Krytanisch ausgesucht, denn Lesen und schreiben zu können war in diesen Zeiten von hohem Wert. Die etwas älteren Schüler durften sich mit Mathematik oder Geschichte befassen. So oder so, die Kinder hatten viel zu lernen und die folgenden Stunden vergingen für Araja wie im flug. Das junge Mädchen hatte Spaß am lernen, neue Sachen zu entdecken und zu verstehen war also genau ihr Ding aber das wussten wir ja bereits.
Wärend des Unterrichts hatten sie und ihr Banknachbar kein einziges Wort miteinander gewechselt, ledeglich ihre Blicke trafen sich hin und wieder woraufhin einer der beiden dann wieder peinlich berührt wegsah. Alles in allem war Araja aber mit ihren ersten Unterricht mehr als zufrieden.

Zur Mittagszeit dann begann die Pause, Zeit für eine kleine Stärkung. Die Kinder der Schule durften wärend der Unterichtspause auf den kleinen Hof neben dem umfunktionierten Lager spielen und ihre Freie Zeit genießen. Araja zog sich von den anderen zurück und suchte sich ein ruhiges Plätzchen in einer der Ecken um ihr mitgebrachtes Essen auszupacken. Manuel hatte ihr Roggenmischbrot gemacht, dass hatte der junge Rotschopf am liebsten. Gerade als sie herzhaft davon abbeisen wollte wurde es Dunkel um sie herum – jemand hatte sich genau vor sie gestellt und verpserrte die Sonnenstrahlen. Es war jedoch nicht nur eines sondern drei der anderen Kinder.
Die beiden älteren Jungen geführt von einem blondem Mädchen hatten sich so um den Rotschopf platziert das dieser nicht mehr aufstehen konnte ohne einen von ihnen beiseite rempeln zu müssen.
In dieser Unglücklichen konstelation sah Araja nun zu ihren Mitschülern auf, spürend das sich etwas übles anbahnte:

"Braucht ihr was?"

"Na schau mal – die Pickelfresse kann ja doch sprechen!"
, das Blonde Mädchen hatte das Wort an Araja gerichtet und bezog ihre Beleidigung ganz offensichtlich auf Araja's Sommersproßen im Gesicht.

"Das sind keine Pickel."

"Trotzdem ist das voll Ekelig! Mach die weg!", spottete dann einer der Jungen bevor das Mädchen wieder übernahm: "Sie weiß wahrscheinlich nicht mal wie man sich wäscht!"

"Und schau dir mal ihre Sachen an – unsere Schweine würden das nicht mal anziehen IIHH!!"

Der Hohn den der Rotschopf hier sinnlos über sich ergehen lassen musste wurde ihr bereits jetzt zu viel. Sie versuchte aufzustehen um der Sitation zu entfliehen was jedoch von den beiden Jungen mit Gewalt unterbunden wurde.

"Jetzt hör mal zu, Pickelfresse. Das hier ist unsere Schule! Die ist für Kinder aus Vohye und nicht für Idioten wie dich! Schau dich doch mal an! Also am besten du haust wieder ab weil HIER will dich keiner!"
Die Worte des Mädchens mussten bei Araja wie ein Stich ins Herz gewesen sein denn ihre Augen wurden bereits feucht.
"Oohh.....seht mal! Das kleine Baby fängt schon an zu heulen!"

Nun entriss einer der Jungen seinem Wehrlosem Opfer auch noch das selbstgebackene Brot aus der Hand und warf es in eine nahe Pfütze: "DAS ist'n Grund zum heulen! HAHAHAHA!"
Kaum auszumalen welche Gemeinheiten sich die Gruppe noch ausgedacht hätte wenn Vater Braun nun nicht die Pause für beendet erklärt hätte. Die älteren Kinder warfen ihrem Opfer nur noch einen letzten abwertenden Blick zu bevor sie wieder nach drinnen verschwanden.
Und Araja sahs noch immer auf der kleinen Bank in der Ecke jenen Hofes. Mit getrübten Blick das im Brackwasser versinkende Brot beobachtend, was ihr Stiefvater extra für sie gemacht hatte. Sie fühlte sich so Hilflos, so Schutzlos. Wieso hatten die anderen Kinder das gemacht, sie hatte ihnen doch garnichts getan? Und nun machte Araja den Fehler sich selbst daran die Schuld zu geben. Sie begann alles an sich zu hassen: Die Sommerspoßen, die Roten Haare, ihre Helle Haut, einfach alles was sie anders aussehen lies als die anderen.
Ihre Tränen aus dem Gesicht wischend schlurfte Araja dann zurück ins Klassenzimmer.
Der Rest des Unterichts war eine Qual für sie, vergangen die Zeit in der sie die Schule genoss. An lernen war jetzt erst recht nicht mehr zu denken denn ihre Gedanken kreisten sich nur noch um ein einziges Thema: Hier wieder zu verschwinden und niemals wieder zu kommen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit dann war der Schultag zuende. Endlich konnte Araja diesen für sie so furchtbaren Ort wieder verlassen. Jedoch wollte Vater Braun noch mit ihr sprechen. Als dieser Araja aufforderte noch kurz zu verweilen kicherten die älteren Kinder hämisch bevor sie das Klassenzimer verliesen. Mit gesengten und trübseligem Blick ging sie also nach vorne zu Pfarrer Brauns Pult.

"Hat dir dein erster Schultag gefallen Araja?"
Dem Lehrer war der angeschlagene Zustand seines neusten Schützlich wohl nicht entgangen. Leider hatte er die Aktionen seiner anderen Schutzbefohlenen jedoch nicht mitbekommen.
Araja hingegegen hatte kein Interesse daran über das Thema zu sprechen. Sie hatte keine Lust überhaupt irgendein Thema zu besprechen weshalb sie nur mit den Schultern zuckte.

"Du kannst mit mir reden wenn etwas nicht stimmt, das weißt du ja?"

"Ja...."

"Dann sehen wir uns morgen wieder?"

".... Ja."


Der Rotschopf hätte dem Pfarrer nun wohl alles gesagt nur damit sie endlich gehen konnte, sie wollte hier einfach nur noch weg. Nachdem ihr Vater Braun verabschiedend zugenickt hatte hielt Araja nichts mehr an diesem Ort.
Ein klein wenig erleichtert aber immer noch angespannt verlies der junge Rotschopf also die improvisierte Schule, wieder vorbei an der Schmiede und in Richtung Heimat. Mit jedem Schritt den sie tat dachte sie über das nach was die Kinder zu ihr in der Pause gesagt hatten und es nagte an ihr. Nein – es zerrieb sie geradezu. Sie wusste nichteinmal wen sie mehr Hassen sollte: Sich oder die anderen. Oder war es vielleicht garkein Hass sondern einfach nur Enttäuschung was sie empfand. Egal: Ihre Gefühlswelt war in ein solches Chaos gestürtzt das sie kaum noch geradeaus Denken konnten. Bis sie plötzlich kurz vor dem Stadtrand wieder angesprochen wurde:
"Hey! Warte mal kurz!"
Als Araja sich drehte um nachzusehen wer da nach ihr rief staunte sie nicht schlecht denn es war ihr stummer Banknachbar. Zum ersten mal hörte sie also die Stimme des zierlichen und schwarzhaarigen Jungen. Er rannte auf sie zu mit einem Stück Brot in seiner Hand.

"Entschuldige ...äh...hier, für dich!",sprach dieser sie an, das Brot überreichend. Dabei hatte er ein solch schüchternes aber zugleich sympatisches lächeln welches Araja sonst nur von sich selbst kannte.

"Für mich...?"

"I-Ich hab gesehen das Georg dir deines weggenommen hat deshalb dachte ich du....hast Hunger?"


Ganz behutsam also nahm Araja ihr Geschenk entgegen, es war vielleicht kein Roggenbrot aber immer noch besser als ihr eigenes das in der Pfütze schwimmen gelernt hatte. Aus ihrem 'Gefühlschaos Gesicht' wurde nun ein 'Freudig Überraschtes Gesicht'. Sie konnte es irgendwie nicht fassen das ein Fremder ihr ein Geschenk machte – einfach so. Araja merkte genau wieviel überwindung das den ebenso schüchternen Jungen gebraucht hatte aber genau das gab ihr nun ebenfalls die Kraft zu antworten.

"Danke.....das ist Nett. Das find' ich toll von dir."

Der Junge kratzte sich daraufhin nervös am Nacken und wollte sich gerade mit einem "Gern geschehen" aus dem Staub machen. Aber nicht mit Araja.

"Wie heist du...?"

"Äh...Ralph. Und du?"

"Araja."


Daraufhin schwiegen sich die beiden einige Sekunden lang an. Offensichtlich ringten beide um Worte und überlegten was sie als nächstes sagen wollten. Eine Peinliche Stille legte sich über das Gespräch bis Ralph endlich den retteten Einfall hatte:

"Ich hoffe dir hat's heute gefallen auch wenn ein paar von den anderen echte Arschlöcher sein können."

"Weiß' nicht... war schon ganz Okay denke ich."

"Ich würd' mich freuen wenn du wiederkommst. Ich muss jetzt nach Hause, tschüss Araja!"


So schnell wie er gekommen war verschwand Ralph auch wieder, vermutlich hatte er dafür ein Händchen. Der Rotschopf hatte also keine Chance sich ordentlich zu verabschieden weshalb sie ihr 'Tschüss Ralph' ledeglich zu sich selbst sagen konnte. Nun stand Araja immer noch am Stadtrand von Vohye jetzt aber mit einem lächeln.


Im nachhinein war sich der Rotschopf nicht mehr sicher ob es Manuels aufmunternde Worte Zuhause gewesen sein könnten die sie überzeugten in den kommenden Jahren auch noch zur Schule zu gehen oder ob es die tatsache war das Georg von Vater Braun noch zur Rechenschaft gezogen wurde. Ganz sicher aber war sie, dass Ralfs nette Geste eine Rolle dabei spielte und natürlich die Freunschaft die zwischen den beiden Kindern daraufhin entstand.
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"Stadtmaus und Landmaus"

Beitrag von Araja am Sa 13 Jan 2018, 17:55

Der Herbst hatte Einzug in Toussaint gefunden und zwang der Natur sein farbenfrohes Kleid auf.
Die orange und gelb gefärbten Bäume des Tals zogen lansgam an Araja vorbei. Sie sahs auf einer Kutsche gemeinsam mit Pfarrer Braun und ihrem Stiefvater Manuel.
Ein wenig verträumt blickte das 10 Jährige Mädchen über den nahen See, denn auf der anderen Seite war bereits Buclair zu sehen, die Hauptstadt der Grafschaft. Die zauberhaften Turmspitzen des Schlosses hatten Araja's Aufmerksamkeit erregt. Wie zum Teufel konnte man so hoch bauen ohne runterzufallen, dachte sie sich.
Aber wie kommt es dass die kleine arme Familie nach Buclair reiste, einer der vermutlich wohlhabendsten Städte des Königreichs? Dieses mal müssen wir wohl etwas weiter ausholen.

Alles begann als Manuel vor einigen Wochen sein Schlafzimmer endlich aufräumte. Seitdem seine Frau vor 7 Jahren verstorben war hatte er es zu einer kleinen Müllhalde verkommen lassen. Okay, ganz so schlimm war es vielleicht nicht aber vom Boden hätte man sicherlich nicht essen sollen.
Bei der Aufräumaktion fand er etwas das er vergessen hatte, einen Umschlag. Jenen Umschlag der in Araja's Babykörbchen lag. Der Rotschopf wusste zwar das er Adoptiert war aber nicht das sie eines unverhoften Abends in einem Körbchen vor der Haustür der Reneè's lag.
In dem Umschlag befand sich weder ein Brief noch eine andere Erklärung dafür warum das Baby abgegeben wurde, ledeglich ein Abholschein. Ein Abholschein für die Cianfanelli Bank in Buclair.
Nach dem unverhoften Tot seiner Frau war der Umschlag und sein möglicher Wert in vergessenheit geraten, bis Heute. In der Hoffnung der finaziel stark angeschlagenen Bäckerei wieder auf die Beine zu helfen reisten die Reneés also nach Buclair. Zum Glück hatte Vater Braun einen Ausflug nach dort geplant und hatte seinen Freunden angeboten mit ihm gemeinsam zu reisen.
Noch als es Dunkel war startete die Fahrt um die zentral gelegenen Hauptstadt von der nördlichsten Grenze aus zu erreichen.

Jetzt war es fast Mittag und die Kutsche passierte endlich die Eingangstore der Stadt.
Araja war völlig aus dem Häuschen: So viele Menschen noch dazu so wahnsinnig gekleidet auf einem Haufen; Die prunkvoll gebauten und festlich geschmückten Häuser der Stadt. Soetwas hatte der vom Land kommende Rotschopf noch niemals zuvor gesehen. Die Gerüche, die Geräuschkulisse, einfach war alles war neu für sie weshalb sie dem Staunen und "Guck mal da!" sagens nicht überdrüssig wurde. Egal wo sie also hinsah, es passierte etwas.
Ihr Gefährt lies die kleine Gruppe an den Stallungen zurück und ging zu Fuß weiter. Direkt auf den Marktlatz im Herzen der Stadt.
Dieser war zum bersten gefüllt mit Menschen, denn der große Herbstmarkt hatte begonnen. Aus der gesamten Grafschaft und darüber hinaus hatten sich Händler hier eingefunden um ihre Waren feil zu bieten. Dabei waren nicht nur Gemüsehandler, Nein – auch Kunsthändler, Kleiderverkäufer und viele, viele mehr. Buclair war als Kunststadt bekannt und sein Marktplatz spiegelte dies ganz besonderst an diesem Tag wieder.
Araja wäre wohl am liebsten an allen dieser Stände stehen geblieben um sich umzusehen aber ihr Stiefvater wusste genau das sie den Markt dann nicht vor dessen Schließung hätten verlassen können. Deshalb hatte er die Hand seines Schützlings fest umschlossen und schleifte den kleinen Rotschopf mit sich.
Neben dem Marktplatz, gleich hinter einem Triumphbogen war die Cianfanelli Bank, das Ziel der Reise.

Als die ungleiche Gruppe die Bank betrat fiel sie sofort auf. Die einfache Bauernkleidung der Reneés passte nicht in das auf hochglanz polierte Gebäude. Ganz offensichtlich bediente die reiche Bank ein gänzliches anderes Metier als das der einfachen Landbevölkerung. Ein wenig unsicher trat Manuel also an den leeren Schalter und legte den Abhohlschein darauf:

"Guten Tag, wir wollen heute etwas abholen."

"Aha."


Die Antwort der alten Dame die hinter dem gesicherten Schalter stand war mehr als eindeutig: Sie konnte Manuel nicht leiden. Offensichtlich hatte sie sonst mit besser betuchten Kunden zu tun.

"Das ist ein Schließfach – folgen sie mir Bitte."


Ungeachtet des abfälligen Blickes der Schalterdame folgte Manuel ihr ein Stockwerk tiefer wärend Pfarrer Braun und Araja oben die Stellung hielten. Ganz im gegensatz zum Marktplatz war es in der Bank Still. Sehr Still sogar. Offensichtlich wollten die Bankleute ihre ruhe haben beim Geldzählen. Es daurte also nicht lange bis Araja langweilig wurde, aufgeregt wie sie war baumelte sie mit den Beinen wärend sie auf der kleinen Wartebank sahs. Dem Pfarrer blieb die Ungeduld des Mädchens natürlich nicht unbemerkt weshalb er über eine Ablenkung nachdachte:

"Ich sehe was was du nicht siehst und das ist.....Blau!"


Der junge Rotschopf runzelte die Stirn. Blau? Egal wo sie hinsah alles war Goldfarben oder zumindest in irgendeiner Form Gelb. Blau, Blau, Blau, Blau.... Sie konnte es einfach nicht finden.
Der Priester war ein wenig erleichtert das er es offensichtlich geschaft hatte Araja auf andere Gedanken zu bringen.

"Ich find's nicht!", meckerte das Mädchen dann einige Minuten später als sie es schlussendlich aufgab nach etwas blauem zu suchen.

"Deine Augen."

"Meine....? Hey, das ist nicht Fair!"

"Ich sagte doch: Ich sehe was was du NICHT siehst."

"Das ist schummeln!"


Araja war zurecht ein wenig beleidigt und verschrenkte nun bockig die Arme. Aber sie hatte bereits eine Idee wie sie sich dafür rächen konnte:

"Ich sehe was was du nicht siehst und das ist BRAUN!"

"Meine Augen?"

"NEIN!"


Nun hatte auch der Pfarrer zu kämpfen. Wenn es nicht seine Augen sein konnten was dann? Denn in der Bank war auch nichts Braunes zu finden. Seine Haare vielleicht? Nein, die waren Schwarz. Hm.

"Ich geb's auf, was ist es?"

Fast schon ein wenig spöttisch und mit einer ordentlichen Portion schadenfreude lächelte ihm Araja nun entgegen: "Euer Name!"



Damit hatte der Priester nun nicht gerechnet, das musste man dem Rotschopf lassen: Einfallsreich war sie. Durch das kleine Spiel war die Zeit vergangen und Manuel kam endlich zurück aus den Schließkammern der Bank. Der leicht nervöse Blick den er beim gehen noch hatte war gewichen durch einen fröhlichen fast schon euhorischen. Er strahlte gerade zu als er sich seiner Stieftochter näherte. In seiner Hand hatte er eine kleine Schatulle sowie einen weiteren Umschlag. Angesteckt von der Vorfreude brach es ausVater Braun heraus:

"Nun sagt schon, was ist darin! Sprecht!"


Voller Ehrfurcht öffnete Manuel die kleine Schatulle und präsentierte somit seinen Inhalt: Es war Geld. Aber nicht nur ein paar Silberlinge oder gar Kupfer. Nein, es war Gold; Einhundert glänzende Goldstücke. Eine geradezu unvorstellbare Menge für die arme Familie. Soviel Geld hatten sie zuvor noch niemals besessen. Auch Araja verstand dies und machte direkt einen Freudensprung bevor sie völlig euphorisch anfing zu klatschen. Wärend Manuel und sein Schützling ihr Glück kaum fassen konten untersuchte Braun den mitgebrachten Umschlag. Er konnte seinen Augen kaum trauen, denn es war ein weiterer Abhohlschein. Dieses mal jedoch stand sein Wert darauf: Eintausend Gold,
einzulösen in der Götterfelser Bank. Völlig übermannt von seiner Freude lachte ihm Manuel entgegen:

"Ist das nicht Wunderbar, Vater?! Das ist ein Wunder!"

"Das ist wahrlich ein Wunder...."


Die Worte des Priester waren nachdenklich, fast ein wenig kleinlaut. Dies konnte aber die Freude bei Araja und Manuel nicht bremsen, keineswegs. Mit dem Gold konnten sie nicht nur der Bäckerei neues Leben einhauchen und ihre Schulden bezahlen sondern auch noch einiges mehr.
Und damit sah Araja ihre Chance: Seitdem sie vor zwei Jahren den Paladin und seine Geige getroffen hatte bettelte sie Manuel beinahe täglich um eines der Streichinstrumente an. Der Bäcker, noch immer übermannt von der Freude über den plötzlichen Geldsegen konnte nicht anders als seiner Stieftochter ihren Wunsch zu erfüllen.
Freudestrahlend verlies die kleine Gruppe also wieder die Bank und machte sich wieder auf den Weg zum Markt. Bereits auf dem hinweg hatte Araja die Violinenwerkstatt von Lorenzo auf der anderen Seite des Platzes bemerkt. Mit der Schatulle und dem darin enthaltenem Geld war es aber nun nicht mehr ein ferner Traum sondern Realität geworden: Eine eigenen Geige.
Direkt gegenüber der Werkstatt hatte ein Kostümhändler seine Zelte aufgeschlagen und bot allerlei lustige und skurile Verkleidungen an. Manuel der mit seiner Tochter eigentlich zu Lorenzo wollte verfing jedoch seinen Blick in eines der ausgestellten Stücke: Eine Rosa Kochmütze.
Warum sich selbst nicht auch eine Kleinigkeit gönnen? Wärend er die unsagbar alberne Mütze anprobierte hielt es Araja nicht mehr aus: Sie lies sich von ihrem Stiefvater das nötige Gold geben und verschwand damit in die Violinenwerkstatt. Wärendessen trödelte Vater Braun über den restlichen Markt.


Mit dem öffnen der Tür bimmelte ein kleines daran angebrachtes Glöckchen. Die Werkstatt war kleiner als Araja es erwartet hatte. Vermutlich brauchte man nicht viel Platz um Geigen herzustellen. Vielleicht sah es auch nur so eng aus da der Vorraum mit so dermaßen vielen Violinen und Geigenzubehör zugestellt worden war. Der Geruch von verarbeitetem Holz und Leim lag in der Luft wärend durch die malerisch gestalteten Fenster die Nachmittagssonne schien. Nachdem Araja die Tür hinter sich wieder zufallen lies wurde es sehr still, ähnlich wie in der Bank.
Lansgam und behutsam ging das junge Mädchen durch die schmalen Gänge des Verkaufsraumes denn sie schien allein zu sein. Fast wie ein Geist schlich sie staunend an einer Geige nach der anderen vorbei, vermutlich hätte sie sie alle gerne mitgenommen. Zumindest bis sie diese eine sah:
Die Violine die Araja ins Auge sprang lag in einer Ecke und war völlig eingestaubt. Sie sah ein wenig angegangen und alt aus. Weshalb also das Interesse gerade an dieser? Ganz einfach: Irgendjemand hatte den Buchstaben 'A' in die Seite graviert. Wie eine Motte vom Licht schien das kleine Mädchen also von der Geige angezogen zu werden.
Ganz behutsam nahm sie also das Instrument in die Hand und hatte sich sofort verliebt, es sollte genau diese eine Geige sein. Sie schnappte sich einen der herumliegenden Bögen und legte diesen auf die Seiten so wie sie es bei Sir Surotach gesehen hatte.
Die Töne die daraufhin entstanden waren ein wenig schräg. Araja brauchte einige Züge bis sie einen passenden Ton traf aber sie hatte den Bogen ziemlich schnell heraus.
Was sie spielte war zwar noch lange keine Musik aber zumindest besser als das was wohl die meisten von uns zum ersten mal mit einer Geige in der Hand zustande gebracht hätten.

"Interessant.", sprach dann eine Stimme.

Wieder einmal hatte es jemand geschaft sich an Araja heranzuschleichen. Sie blickte erschrocken hinter sich nach oben und erblickte den alten Mann.

"Wie lange spielst du schon, Kleines?"

"Äh...seid gerade eben?"


Daraufhin nickte der Alte nur nachdenklich und machte sich auf den Weg über die kleine Wendeltreppe nach unten. Bei Araja angekommen nahm er sich dann ebenfalls eine Geige.

"Du hählst sie falsch. Mach' es in etwa....so."


Der alte Mann war kaum größer als das kleine Mädchen und hatte wahnsinnig fiele Falten, eine große Nase und sah alles in allem aus wie ein Tatergreis. Und trotzdem schien er sich für seine vermutlich jüngste Kundin aller Zeiten zu interessieren. Er vermutete wohl Talent und er sollte Recht behalten. Nachdem Araja die Geige nun richtig hielt waren die Klänge der Geige gleich viel klarer und deutlicher. Das lächeln welches Araja dadurch über das Gesicht strahlte veranlasste den alten Lorenzo ebenfalls kurz aufzuleuchten auch wenn er es nicht zeigen wollte. Der alte Griesgram hatte schließlich seinen Ruf als Miesepeter zu verteidigen.

"Kann ich sie kaufen?"

"Hmpf. Nein. Du kannst sie nicht kaufen."
, mit seiner Antwort entriss der Greis dem kleinem Mädchen die Geige und watschelte damit nach hinten. Araja lies sich jedoch nicht einfach so abwimmeln und folgte dem alten Mann.

"Wieso nicht?! Ich will sie aber, ich kann spielen ihr habt's doch gesehen!"


Den alten Lorenzo schien der Protest des Rotschopfes nicht sonderlich zu interessieren, angekommen in seiner Werkstatt nahm er sich einen Lappen und begann die furchtbar angestaubte Violine zu säubern. Erst jetzt nachdem die Geige sauber war erkannte man das es sich dabei offensichtlich um ein Unikat handelte. Im gegensatz zu den Unzähligen Geigen, Bratschen und Violinenzubehör war diese mit einem aufwendigen Zierrahmen versehen.
Als das Stück gesäubert war und er die Seiten nachgestimmt hatte legte Lorenzo die Violine behtusam und andächtig in einen Geigenkoffer und schob diesen dann zu Araja.

"Du kannst sie nicht kaufen weil ich sie dir schenke."


Fast ein wenig Misstrauisch beäugte der Rotschopf den Greis und begann fragend nachzuhaken:

"Ihr wollt kein Gold dafür?"

"Hmpf, für das olle Teil hatte sich ohnehin nie einer interessiert. Haben alle keinen Geschmack diese HMMM – Kunstbanausen!"


Doch gerade als Araja nach dem Geigenkasten greifen wollte packte der alte Lorenzo sie an der Hand:
"Du musst aber noch Üben, versprich mir das! Wer diese Violine bekommt soll' sie auch gefälligst spielen können!"

"Versprochen."


Mit seinem grimmigen Blick nickte Lorenzo denn Araja hatte ihre Antwort mit aller ihr zur verfügung stehenden Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht. Somit konnte der alte Geigenbauer sich guten Gewissens von seinem guten Stück trennen.
Mit einem etwas schüchternem aber durchaus gut gemeinten "Auf Wiedersehen!" verabschiedete sich Araja dann aus der muffigen alten Werkstatt. Alles was Lorenzo dazu zu sagen hatte war ledeglich ein "Ja-Ja!" bevor er wieder nach hinten verschwand. Ein komischer Kautz.


Drausen vor der Werkstatt konnte Araja ihr Glück kaum fassen: Ihre eigene Geige in der Hand und sie musste nicht einmal dafür zahlen. Sie wollte damit sofort zu Manuel und Pfarrer Braun um diese zu präsentieren und rannte deshalb schnell über die Straße. In ihrer Eile bemerkte sie nicht den kleinen Jungen der gerade ebenfalls über die Straße rannte und die beiden kollidierten unweigerlich miteinander.
Araja stürzte durch den Aufprall mit dem Jungen und lies den Geigenkoffer fallen. Völlig panisch öffnete sie den Kasten um nachzusehen: Glück gehabt, der Geige war nichts passiert.
Der Junge rannte dann ohne sich zu entschuldigen wieder davon, was für ein Rüpel. Als der Rotschopf dann wieder auf den Beinen war fiel ihr auf das etwas fehlte. Das schwere Gefühl an ihrem Gürtel: Die Geldbörse war weg. Darin waren die 5 Goldstücke die ihr Manuel mitgegeben hatte um die Violine zu kaufen. Der Junge hatte sie bestohlen!
Es war noch nicht zu spät den Dieb zu erwischen und Araja nahm mit ihrem Geigenkoffer unter dem Arm die Verfolgung auf. Eine wilde Jagd entbrannte zwischen den beiden Kindern. Dem Jungen war seine Verfolgerin bald aufgefallen und er geriert in Panik. Dadurch machte er Fehler und stolperte immer wieder über andere Passanten oder Hänlder. Nur das gab Araja überhaupt die möglichkeit dem ansonst so flinken Jungen zu verfolgen. Quer über den ganzen Marktplatz, vorbei an allerlei Attraktionen die sich Araja sonst gerne angesehen hätte, sausten die beiden vorüber.
Schließlich bog der Junge in eine Seitenstraße ab und war für einige Sekunden nicht zu sehen. Aber das reichte ihm völlig aus, denn als Araja um die Ecke kam war der Junge wie vom Erdboden verschluckt.

Etwas aus der Puste wollte sich die junge Geigenbesitzerin jedoch nicht abwimmeln lassen und ging lansgam weiter in die enge Seitenstraße. Die dunkle Gasse spiegelte die Schattenseite einer jeden großen Stadt wieder. Es war dreckig und allerlei Kleintiere und streunende Hunde streiften hindurch wärend es bestialisch aus den Müllhaufen stank. Dieser Ort war beängstiegend Finster und alles andere als Einladend.
Araja drückte den Geigenkoffer an ihre Brust in der Hoffnung er würde sie beschützen, denn sie hatte Angst. Wo war sie hier nur reingeraten?
Vorsichtig tastete sie sich weiter um schließlich den Jungen zu finden. Er hatte sich hinter einer Plane einige Meter weiter versteckt und seufzte enttäuscht als Araja ihn ertappte:
"Wenn ich's dir wiedergebe verpetzt du uns nicht der Wache, okay?"

Der völlig heruntergekommene Junge war vermutlich genauso alt wie Araja und warf ihr die Geldbörse zu. Weil der Rotschopf jedoch immer noch seinen Koffer umklammerte fiel die Börse auf den Boden. Beim Aufheben des Goldes sah Araja es dann: Hinter der Plane waren noch drei weitere Kinder. Die Sprösslinge sahen angeschlagen und erschrocken zum Rotschopf wärend sie das Geld aufsammelte. Erst jetzt Verstand sie es: Diese Plane war ein improvisiertes Zelt. Darin befanden sich mehrer Tücher als notdürftige Betten, inmitten des Mülls und der Pfützen hatten sich die Kinder hier ein Zuhause gebaut.

"Ihr lebt hier?", fragte Araja dann völlig entsetzt.

"Ja und? Was geht's dich an?! Nimm dein Gold und hau ab!"


Dem Rotschopf schien das Herz zu zerbersten als sie mitansah wie diese Kinder hier lebten. Sofern man das Leben nennen konnte. Die Ablehnung des Jungen konnte sie verstehen: Ein Mädchen mit so viel Gold hatte hier nichts zu suchen. Zeitgleich konnte sie sich in ihn hineinversetzten denn ohne die kleine Bäckerei und Manuel hätte es ihr änhlich ergehen können. Sie konnte also nicht anders als dem Jungen die Börse zu überreichen: "Du kannst es behalten."

Mit dem selben mistrauischen Blick mit dem Araja vor kurzem noch die Geige in Empfang nahm schaute nun der Junge aus der Wäsche wärend er das Geschenk bekahm.

"Wieso tust du das?"

"Weil ihr's mehr braucht als ich."


Bei ihrer Antwortet lächelte Araja dem Jungen aufmunternd zu. Es war wohl eine lange her Zeit  dass der Junge und seine kleine Familie solche großzügigkeit erlebt hatten. Deshalb war dieser ziemlich perplex und stotterte sein "Dankeschön" nur halblaut in die dunkle Gasse.
Mit dem selben lächeln auf ihren Lippen mit welchen sie das Gold überreicht hatte verschwand Araja wieder aus der Gasse in dem Wissen eine gute Tat vollbracht zu haben. Das Gold hätte sie ohnehin für die Geige ausgeben sollen weshalb Manuel nicht danach fragen würde.
Wärend die großzügige Spenderin die Gasse verlies brach unter den vier Kindern ein jubelgeschrei aus. Sie hüpften und tanzten, denn sie wussten das sie die nächsten Tage oder vielleicht sogar Wochen nicht hungern mussten.

Zurück auf dem Markt präsentierte Araja voller Stolz dann endlich ihre neue Violine. Unter dem Staunen sowohl von Manuel als auch dem Pfarrer zeigte sie die Gravierung an der Seite des Streichinstruments.
Leider hatte bereits das Abendrot die herrliche Altstadt eingehohlt und brachte Kunde über den baldigen Einbruch der Nacht. Es war Zeit abzureisen und die kleine Gemeinschaft machte sich auf den Weg nach Hause.
Als sie Kutsche über die Brücke des angrenzenden Flusses fuhr musste Manuel es wissen. Dem Bäcker mit der rosa Kochmütze war das schälmische Lächeln seiner Schutzbefohlenen bereits aufgefallen seitdem sie aus Lorenzos Werkstatt gekommen war:

"Sag' schon: Was hast du diesmal verbrochen?"

"Nichts....!", das junge Mädchen konnte ihr verräterisches grinsen einfach nicht unterbinden.

"Die Gravur hat Lorenzo garnicht für dich gemacht, hab ich recht?"

"Ja, OKAY! Die...war schon drauf bevor ich gekommen bin!"

Offensichtlich hatte Araja damit angegeben der alte Geigenbauer hätte das gute Stück EXTRA für sie signiert. Manuel konnte darüber aber nur Lachen, solange sein kleines Mädchen nur bei solchen Lapalien log war er zufrieden und erleichtert.
Es wurde einige Minuten danach Still zwischen den beiden und nur noch das knattern der alten Kutschenräder war zu hören als die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Horizont verschwanden. Araja wusste genau wie wichtig es Manuel war das sie Ehrlich zu ihm war und die verheimlichte Geschichte mit dem Gold brannte auf ihrer Seele. Vorsichtig und ein wenig schwermütig zuppelte sie also von der Seite am Ärmel ihres Stiefvaters:

"Du...? Was würdest du denn sagen wenn ich das Gold garnicht für die Geige ausgegeben hätte?"

Manuel verstand die distanzierende formulierung seiner Stieftochter. Für einen moment schoss ihm durch den Kopf sein Schützling hätte sie gestohlen. Er wollte nicht vom schlimmsten ausgehen und lies sich auf Araja's 'Was wäre wenn Spiel' ein wärend er ihr einen ermutigenden Blick zuwarf:

"Nun, dann würde ich dich fragen wofür du das Gold dann ausgegegen hast."

"Und was wäre wenn ich das Gold einigen Kindern gegeben hätte die nichts zu essen hatten?"

"Dann wäre ich der stolzeste Mann im ganzen Land, mein Schatz."


Manuel nahm Araja in den Arm wärend diese ihren Kopf auf der Brust ihres Stiefvaters ablegte. Auf dem rest des Weges hatte der Rotschopf Zeit die gesamte Geschichte von Lorenzo und dem kleinem Jungen zu erzählen damit der Bäcker tatsächlich einen Grund hatte Stolz zu sein.
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